„Vor dem HERRN her kam ein großer und gewaltiger Sturmwind, der Berge zerriss und Felsen zerbrach, in dem Sturmwind aber war der HERR nicht. Und nach dem Sturmwind kam ein Erdbeben, in dem Erdbeben aber war der HERR nicht. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer, in dem Feuer aber war der HERR nicht. Nach dem Feuer aber kam das Flüstern eines sanften Windhauchs.“ 1. Könige 19, 11-12
Elia kann nicht mehr. Vor Kurzem hat der Prophet noch für Gott gekämpft, bei einem Feueropfer eindrucksvoll Gottes Macht demonstriert und sich mutig gegen König Ahab und seine Frau gestellt, die ihm nach dem Leben trachteten (s. Kap. 18). Aber jetzt hat er Angst, ist leer und ausgebrannt und will nur noch weg. Also geht er in die Wüste, legt sich hin und will einfach nur sterben.
Und Gott, für den er so schwer gearbeitet und sein Leben aufs Spiel gesetzt hat? Er lässt ihm erstmal ein bisschen Ruhe und versorgt ihn mit Nahrung und Wasser. Ein bisschen später findet dann diese Begegnung statt, deren Einleitung die heutige Losung beschreibt.
Gott begegnet Elia direkt am Eingang einer Höhle. Aber er ist nicht im gewaltigen Schauspiel von Sturm, Erdbeben und Feuer, sondern im leisen Windhauch (V. 13 ff).
Vielleicht hätte Elia sich gewünscht, dass Gott eher in Sturm oder Feuer kommt. Vielleicht wollte er gerade einen starken Gott, der Macht demonstriert, ihm seine Angst nimmt und ihm wieder Kraft gibt. Aber Gott entscheidet sich, mit einem leisen Windhauch zu kommen, sanft aber klar und deutlich – Elia erkennt das dann auch sofort (V. 13).
Wie sieht es mit mir, mit uns aus? Wünsche ich mir auch einen starken, Macht demonstrierenden, Feuer und Sturm bringenden Gott? Weil ich an allen Fronten kämpfe, mich abmühe, Angst habe und einen starken Unterstützer brauche?
In Kenya ist diese Vorstellung von Gott sehr verbreitet. Gott soll stark und mächtig auftreten, damit klar wird, dass er stärker ist als Geister und Ahnen, stärker als Korruption und Naturkatastrophen, mächtiger als machtbesessene Politiker und andere Entscheidungsträger.
Vielleicht wünsche ich mir aber auch einen sanften Gott, der mich tröstet und mir sagt, dass alles gut wird? Der meine Verzweiflung oder meine Trauer sieht und mich mit seiner Liebe einhüllt?
Wie dem auch sei, vergessen wir nicht, dass Gott alles in allem ist. Er ist stark und mächtig, selbst in einem Windhauch. Und er ist sanft und liebevoll, selbst wenn er ab und zu seine Macht demonstriert, damit wir nicht zu klein von ihm denken – und ihm dann nicht mehr zutrauen, uns zu helfen und zu retten.
Ich wünsche uns allen, dass wir offen bleiben und ihn erkennen, wo und wie er uns auch begegnet.
Cornelia Letting
Himmlischer Vater, wie oft schaue ich in eine bestimmte „Richtung“, wenn ich mir eine Begegnung mit Dir wünsche. Wie oft erwarte ich eine bestimmte Art von Antwort, eine ganz spezielle Reaktion von Dir. Und wie oft überraschst Du mich sozusagen von der Seite, übertriffst alle meine Erwartungen und bringst mich zum Staunen. Danke, dass mein Austausch mit Dir nie berechenbar wird, damit ich nicht in Gefahr gerate zu denken, ich hätte Dich durchschaut. Danke, dass Du mich geduldig aber beständig durchs Leben führst, mich zum Staunen bringst und mir immer wieder Deine Liebe zeigst. Amen.
Seit 2008 lebt unser Vöhringer Gemeindeglied Cornelia Letting (geborene Halle) auf der Station Tinderet im westlichen Hochland Kenias, die vom Missionswerk DIGUNA („Die Gute Nachricht für Afrika“) unterhalten wird. So haben Cornelias biblische Besinnungen einen besonderen Erfahrungshintergrund.

