Kommen Tiere in den Himmel? Ein Rückblick auf das Glaubensgespräch im Vöhringer Blue Lagoon am 19. April

Das war ein gelungener Auftakt zu der Glaubensgesprächsreihe „Gott und die Welt“ im Vöhringer Blue Lagoon in der Memminger Straße – Full House mit über 70 interessierten Zuhörern und Mitrednern. Dank an Roland Binder und Pater Georg Wiedemann CPPS für die Initiative, bei der auch Kaplan Peter Schneider und ich als theologische Diskutanten zu Wort kamen. Schön, dass Thomas Kempf den Nachmittag fotographisch begleitet hat. Als nächster Termin ist der Samstag, 4. Juli, um 17 Uhr im Blue Lagoon vorgesehen zum Thema „Kann unser Glaube zum Sieg führen“. Im Anschluss ist dort Public Viewing angesagt, das Viertelfinalspiel bei der Fußball-WM um 19 Uhr, in dem sich Deutschland gegen Frankreich wiederfinden könnte.

Hier eine inhaltliche Zusammenfassung des Glaubensgesprächs, das ich mit KI-Hilfe erstellt habe:

Kommen Tiere in den Himmel

Die Frage, ob Tiere in den Himmel kommen, berührt nicht nur unsere Emotionen, sondern führt mitten hinein in grundlegende theologische Überlegungen: Was meinen wir überhaupt, wenn wir vom „Himmel“ sprechen? Allzu leicht wird dieser als Projektionsfläche eigener Wünsche verstanden – ein Ort, an dem wir uns ausmalen, was uns glücklich machen würde. Die christliche Tradition zeichnet jedoch ein anderes Bild: Der Himmel ist kein bloßes Fantasiegebilde, sondern die allumfassende Gegenwart Gottes. Dort wird das Leben in einer Weise von göttlicher Liebe erfüllt, dass es an nichts fehlt – ein ewiges Leben, das gerade nicht in Langeweile erstarrt, sondern in vollkommener Beziehung besteht.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage neu: Ist diese göttliche Gemeinschaft auch für Tiere vorgesehen? In der klassischen christlichen Lehre wurde dies oft verneint oder zumindest skeptisch betrachtet. Ein zentrales Argument lautet, dass Tiere keine „Vernunftseele“ besitzen und daher nicht in derselben Weise wie der Mensch auf ein ewiges Leben hingeordnet seien. Doch diese Sicht ist nicht unumstritten. So hat etwa Kaplan Peter Schneider dafür plädiert, die theologische Perspektive zu erweitern. In einer christlichen Tierethik lässt sich durchaus eine individuelle Beziehungsfähigkeit von Tieren zu ihrem Schöpfer erkennen. Tiere sind nicht bloß biologische Wesen, sondern Geschöpfe, die auf ihre Weise am Lob Gottes teilhaben.

Ein Blick in die biblische Überlieferung unterstützt diese Öffnung. Die prophetischen Visionen vom messianischen Frieden – etwa in Jesaja 11,6–8 oder 65,25 – entwerfen ein Bild der erneuerten Schöpfung, in der auch die Tierwelt verwandelt ist: Wolf und Lamm leben friedlich zusammen, und selbst gefährliche Tiere verlieren ihre Bedrohlichkeit. Diese Texte sprechen nicht ausdrücklich von einem „Himmel“ für Tiere, wohl aber von einer umfassenden Versöhnung der gesamten Schöpfung, in die Tiere ausdrücklich einbezogen sind.

Auch aus einer existenziellen Perspektive lässt sich weiterdenken. C. S. Lewis hat darauf hingewiesen, dass die Gemeinschaft zwischen Mensch und Haustier mehr ist als bloße Zweckbeziehung. Für viele Menschen gehören ihre Tiere zu ihrem Leben in einer Weise, die ihre Identität mitprägt. Wenn nun das ewige Leben die Vollendung dieser personalen Existenz bedeutet, könnte eine Gottesgemeinschaft ohne diese vertrauten Geschöpfe als unvollständig erscheinen. In diesem Sinne könnte die Liebe des Menschen zu seinem Tier dieses gleichsam „mitnehmen“ in die Gegenwart Gottes.

Theologisch gewinnt diese Hoffnung an Tiefe, wenn man sie im Licht des christlichen Heilsverständnisses betrachtet. Der Epheserbrief spricht davon, dass Gottes Heilsplan darauf zielt, „alles in Christus zusammenzuführen“ – das, was im Himmel und auf Erden ist. Christus ist der, durch den und auf den hin alles geschaffen ist und der die Schöpfung neu in Beziehung zu Gott setzt. Der Prolog des Johannesevangeliums beschreibt ihn als das Wort, das in die Welt gekommen ist, um das Seine zu erneuern. Ziel dieser Bewegung ist, dass Gott „alles in allem“ sei (1 Korinther 15,28). Diese universale Perspektive schließt zumindest die Möglichkeit ein, dass nicht nur der Mensch, sondern die ganze Schöpfung – und damit auch die Tiere – in die Vollendung einbezogen wird.

Wenn wir konkret an unsere eigenen Haustiere denken, die wir beim Namen kennen und zu denen wir eine persönliche Beziehung haben, wird die Frage besonders drängend. Hier verweist die Theologie – wie etwa Pater Georg betont – letztlich auf den Glauben an das Heilswerk Christi. Nicht unsere Gefühle allein entscheiden, sondern das Vertrauen darauf, dass Gottes Erlösung umfassender ist, als wir es uns vorstellen können.

In überraschend anschaulicher Weise hat bereits Martin Luther diese Hoffnung ausgedrückt. Auf die Frage, ob es im ewigen Reich auch Tiere geben werde, antwortete er bejahend: Die erneuerte Schöpfung werde nicht leer sein, sondern von neuen, verwandelten Geschöpfen erfüllt. In poetischer Sprache beschreibt er sogar, wie Tiere ihre Gefährlichkeit verlieren und in friedlicher Gemeinschaft mit den Menschen leben. Diese Vorstellung greift die biblische Verheißung auf: eine neue Erde, auf der die ursprüngliche Harmonie der Schöpfung wiederhergestellt ist.

So bleibt die Frage nach den Tieren im Himmel offen – aber nicht unbegründet. Zwischen theologischer Zurückhaltung und hoffnungsvoller Weite spannt sich ein Raum, in dem sich sagen lässt: Wenn Gottes Liebe wirklich alles durchdringt und zur Vollendung führt, dann ist es zumindest denkbar, dass auch die Tiere ihren Platz in dieser erneuerten Gemeinschaft haben.

Jochen Teuffel

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