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„Krone des Lebens“ – Impulse in der Woche, die zusagen und herausfordern – 16. Mai 2022

Montag, 16. Mai

„Als die drei Freunde Hiobs all das Unglück hörten, das über ihn gekommen war, kamen sie und saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war.“ (Hiob 2, 11.13)

Manchmal fehlen uns die Worte angesichts des Leids, das andere Menschen erleiden müssen. Floskeln wie: „Kopf hoch, wird schon wieder.“, erweisen sich als hohle Phrasen. Auch Bibelzitate wie: „Denen, die an Gott glauben, werden alle Dinge zum Besten dienen.“, helfen dem Leidgeplagten in seiner Situation nicht weiter. Jedes Wort scheint deplatziert. Es bleibt nur die stille Anteilnahme.

So erging es auch den 3 Freunden Hiobs, nachdem sie von seinem Leid erfuhren. Eine ganze Woche lang waren sie Tag und Nacht einfach da, gegenwärtig. Kein Wort fiel zwischen den Männern. Sie waren für ihren Freund da. Haben den Schmerz und seine Last still mitgetragen.

Die Situation eskalierte, als die 3 Freunde den Mund aufmachten. Sie suchten Erklärungen für all das Leid, das Hiob heimsuchte, für all die Hiobsbotschaften. Sie waren der Meinung, dass einen ein solches Leid nicht grundlos ereilen würde. Und so kamen sie letztendlich zu dem Schluss, dass Hiob irgend etwas falsch gemacht haben muss. Als Hiob das vehement verneint, bezichtigen sie ihn der Selbstgerechtigkeit. Am Schluss wird Gott zornig über die 3 Freunde, da sie nicht recht geredet hatten.

Auch wir stehen in der Gefahr, wie die 3 Freunde Hiobs, Dinge nach dem Prinzip „Ursache und Wirkung“ zu beurteilen.

Wir suchen Antworten auf die Warum-Frage.

Stellen Vermutungen an.

Suchen einen Schuldigen.

Und verletzen letztendlich den Leidgeplagten mit unserem gut gemeinten Urteil zusätzlich.

Da wäre es besser, wir würden den Mund halten und still Anteil nehmen. Einfach da sein für den Anderen. Zuhören, ohne sofort eine Erklärung für Alles parat zu haben. Und schon gar nicht einen Schuldigen ausfindig zu machen.

So schwer uns das manchmal fällt, wir würden vermutlich durch stilles Mittragen sowohl dem Leidtragenden als auch Gott am ehesten gerecht. Denn Gottes Gedanken sind für uns meist zu hoch und seine Wege für uns unergründbar. Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott einen Plan für unser Leben hat. Und dass er uns hilft, das zu tragen, was er zulässt.

Und entsprechend dem heutigen Lehrtext:

„Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Galater 6, 2)

sind wir aufgefordert, unserem Nächsten zu helfen beim Tragen der Last. Von gutgemeinten Ratschlägen ist hier nicht die Rede.

Helmut Haas

Vater im Himmel, manchmal fehlen mir die Worte. Und doch möchte ich meinem Nächsten helfen und beistehen in seinem Leid und seiner Not. Ich möchte die Last meines Nächsten ohne große Worte mittragen und ihn begleiten. Für ihn da sein. Hilf Du mir dabei.

Amen

Lied: Ein jeder trage die Last des anderen…

Veröffentlicht in Tagesimpulse.