Predigt zu Lukas 11,33-36 von Bettina Hauguth beim Gottesdienst zum Friedenlicht

Beim ökumenischen Gottesdienst zum Friedenslicht am Montagabend vor Heiligabend hat Bettina Hauguth in der Kirche St. Michael in Vöhringen die Predigt zu Lukas 11,33-36 gehalten:

Predigt zu Lukas 11,33-36

Christus spricht: 33 Niemand zündet ein Licht an und setzt es in einen Winkel, auch nicht unter einen Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit, wer hineingeht, das Licht sehe. 34 Dein Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so ist dein ganzer Leib licht; wenn es aber böse ist, so ist auch dein Leib finster. 35 So schaue darauf, dass nicht das Licht in dir Finsternis sei. 36 Wenn nun dein ganzer Leib licht ist und kein Teil an ihm finster, dann wird er ganz licht sein, wie wenn dich das Licht erleuchtet mit hellem Schein.

Ich liebe die Adventszeit: wenn es draußen früh dunkel wird und wir Lichter und Kerzen anzünden, deren Schein den ganzen Raum erleuchtet und eine besondere Atmosphäre schafft. Und ich freue mich an der Lichterkette unserer Nachbarn, die mit ihrem Licht durch unser Küchenfenster bis ins Esszimmer hinein strahlt.

Heute dreht sich alles ums Licht: ein Funken Mut, das Friedenslicht, das wir heute empfangen und in unsere Häuser tragen. Auch die sprichwortartige Rede Jesu, die wir gerade im Evangelium gehört haben, handelt vom Licht. Jesus nimmt ein Beispiel aus dem Alltag und verdeutlicht dadurch eine tiefe Wahrheit, die Bedeutung für unser Leben und Glauben hat.

Schauen wir zunächst auf die Situation, in der diese Rede stattgefunden hat: Die Rede über das Licht sowie die Ausführung über das Auge sind Teil einer umfassenden Ansprache Jesu. Jesus ist umringt von Menschen, die ihm zuhören: Da gibt es jene, die offen und sehnsüchtig an seinen Lippen hängen. Sie spüren, die Worte Jesu sind besonders, sie haben Kraft und Vollmacht. In diesen Worten erkennen sie Gott auf ganz neue Weise. Und es gibt jene, die sehr skeptisch gegenüber Jesus eingestellt sind. Sie verlangen von ihm ein Zeichen, das sein Reden und Tun rechtfertigt. Von dieser Zuhörerschaft ist Jesus umringt und in dieser Situation findet die Lektion über Licht und Dunkel, Sehen und nicht Sehen statt.

Jesus beginnt, wie gesagt, zunächst mit einer bekannten Situation aus dem Alltag, wenn er sagt: „Niemand zündet eine Leuchte an und stellt sie in einen versteckten Winkel oder unter einen Scheffel,“ einem Gefäß, das zum Messen für Getreide o.ä. diente, „sondern auf einen Leuchter…“ Selbst wenn wir heute im Gegensatz zu damals unsere Räume mit elektrischem Licht anstatt mit Öllampen erleuchten, würden wir nie auf die Idee kommen, eine Lichterkette einzustecken, um sie in eine Kiste zu packen. Dort würde niemand ihr Licht sehen. Stattdessen stellen wir das Licht auf den Leuchter, den Ort, an dem es erhöht und zentral platziert ist, so dass es den ganzen Raum erhellt. Und die Lichterkette hängen wir an unsere Fassaden und Fenster, dass viele, sogar die Nachbarn, sie sehen und sie die Dunkelheit mit ihrem Licht erhellt.

Aber wozu brauchen wir das Licht eigentlich? Nur, um eine schöne, romantische Atmosphäre zu schaffen? Wohl kaum. Vielmehr brauchen wir das Licht um zu sehen. Wer schon einmal in einer stockdunklen Umgebung war, weiß, wie unsicher und hilflos man sich fühlt, wenn man nichts sieht.

„Die Leuchte des Leibes ist dein Auge“ fährt Jesus mit einem weiteren Bild fort, das hilft, das erste zu deuten. Aber meint er damit tatsächlich unser physisches Auge, wenn er davon spricht, dass es an der Gesundheit unseres Auges liegt, ob der Leib hell oder dunkel ist? Wie ungerecht wäre dies für alle, deren Augen nicht mehr die volle Sehkraft besitzen! Kann es nicht vielmehr sein, dass Jesus der Zuhörerschaft damals und auch uns heute durch dieses Bild die Bedeutung eines viel tieferen Sehens bewusst machen möchte? Dann stünde das Auge für meinen Glauben. Das Auge des Glaubens, das mich Gott „sehen“ lässt. Dieses geistige Auge wäre dann verantwortlich für die Qualität oder auch den Mangel meiner Beziehung zu Gott – im Bild gesprochen: ob es in mir hell oder dunkel ist. Anfangs habe ich erwähnt, wie ein Teil der Zuhörenden damals in den Worten Jesu, Gott, an den sie bereits glaubten – die meisten waren vermutlich gläubige Juden – plötzlich ganz neu erkennen konnten. Auch wir können in den Worten Jesu, die wir in der Bibel lesen, Gott kennenlernen und sein Wesen entdecken, so dass unser Glaube wächst und wir mit den Augen des Glaubens sehen lernen. Genau dazu fordert Jesus die Menschen damals und auch uns heute auf, wenn er sagt: „Achte darauf, dass das Licht in dir nicht finster ist.“ Es liegt also an uns, den Glauben zu bewahren und ihn mit dem Wort Gottes zu nähren, so dass er stark und lebendig wird.

Wie wahr und doch fällt mir die Umsetzung im Alltag oft schwer: So viele Dinge drängen sich in den Vordergrund und beanspruchen meine Aufmerksamkeit, dass ich mir schwertue, das Wichtige im Fokus zu behalten. Selbst der bekannte evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer bringt dies in einem Gebet zum Ausdruck: „Herr, in mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht.“

Die gute Nachricht ist: wir sind in unserem Bemühen nicht allein, denn das Licht wurde bereits in unserem Herzen entzündet. In der Taufe wurde uns Jesus, das Licht der Welt, geschenkt. Seither ist er in unserem Leben anwesend – vielleicht bisher noch unbeachtet und unbemerkt in einem versteckten Winkel unseres Herzens?

Wir können ihn mit dem Auge des Glaubens bewusst wahrzunehmen, ihn im Zentrum unseres Lebens zu platzieren, ihm Aufmerksamkeit und Zeit zu schenken. So stellen wir, im Bild gesprochen, das Licht auf den Leuchter und bewahren es, dass es nicht erlischt, sondern unseren Glauben und unser Leben erleuchtet.

Darüber hinaus möchte Jesus sein Licht durch uns in die Welt strahlen – zu den Armen, Traurigen, Einsamen und Kranken in unserem Umfeld. Wenn wir ihn so zu den Menschen tragen, werden wir, wie ihr Pfadfinder uns das vorgelebt habt, zu Lichtträgern, die mutig Funken der Hoffnung versprühen, so dass es nicht nur in uns, sondern auch um uns herum heller wird.

Das Friedenslicht, das Licht, das am Geburtsort Jesu entzündet wird, um sich über viele Städte Europas auszubreiten, ist Ausdruck dieses tiefen Glaubens an Christus, das Licht der Welt, der jeden Einzelnen und unsere Welt mit seinem Licht erfüllen möchte.

Ich wünsche uns allen, dass wir Jesus in unserem Herzen neu entdecken, ihn sehen lernen. Wie wäre es, wenn wir heute nicht nur das Friedenslicht mit nach Hause tragen, sondern vor allem auch das Bewusstsein, dass das Licht der Welt in uns leuchtet? Die Frage bleibt: Stellen wir das Licht auf den Leuchter? Platzieren wir Jesus ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit und unseres Lebens?

Bettina Hauguth

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