Vöhringen, 5. September 2026
Liebe Mitchristen in der Gemeinde,
Die Straßen in Nordostindien sind für uns Deutsche eine Zumutung. Auf dem National Highway – vergleichbar mit unseren Bundesstraßen – sind Fußgänger, Radfahrer, Autorikschas, LKWs und Autos gleichzeitig unterwegs. In der Fahrbahnmitte stehen Kühe oder sitzen Ziegen, dazu tauchen unvermittelt Schlaglöcher auf, denen ausgewichen werden muss. Wo es nach deutschen Maßstäben nur krachen kann, gelingen Überholvorgänge unfallfrei. Der Grund: Man hupt, nimmt sich gegenseitig im Blick und passt sich der Fahrweise des anderen sekundenschnell an.
Ein Schild mit einem Bibelspruch ist mir an der Auffahrt nach Impur ins Auge gefallen: „We walk by faith, not by sight“, auf Deutsch: „Wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen“ (2. Korinther 5,7). Mit Blick auf den Straßenverkehr klingt der Spruch unpassend – schließlich ist höchste Aufmerksamkeit gefordert. Und doch scheint er für die tierischen Verkehrsteilnehmern zu gelten: Ziegen bleiben unbeirrt mitten auf der Straße sitzen, Kühe laufen in den Gegenverkehr – als vertrauten sie blindlings darauf, dass die Autos rechtzeitig ausweichen oder anhalten.
Unser Christusvertrauen aber ist kein blindes Ausweichen auf gut Glück. Es verschließt nicht die Augen vor der Wirklichkeit. „Wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen“ heißt vielmehr: In den Unübersichtlichkeiten unseres Lebens vertrauen wir darauf, dass Christus uns sieht, uns kennt und uns führt. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Dieses Vertrauen macht nicht leichtsinnig, sondern frei – frei von der Angst, alles selbst sichern zu müssen, frei, den nächsten Schritt zu gehen, auch wenn der Weg vor uns nicht offensichtlich ist. Wir irren nicht blindlings umher, sondern gehen aufrecht im Vertrauen darauf, dass Christus tagtäglich neu den richtigen Weg für uns vorsieht, Schritt für Schritt.
So bete ich: Herr Jesus Christus, du öffnest den Himmel über unserer Erde und schenkst Hoffnung, wo unsere eigenen Träume an ihre Grenzen kommen. Lass uns auf deine Verheißungen vertrauen und in deiner Gegenwart den Weg finden, den du für uns bereitet hast. Begleite uns mit deinem Segen und lass unser Leben anderen zum Segen werden. Amen.
Morgen feiern wir noch einmal um 9.30 Uhr (Ferienregelung) den Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche mit Lektorin Ute Eiselt. Ab Sonntag, den 13.9, beginnt dann der Sonntagsgottesdienst wieder um 10 Uhr.
Ich selbst bin noch bis 12. September im Urlaub. Die Vertretung hat Pfarrer Daniel Städtler aus Illertissen.
Der dreieinige Gott segne und behüte euch. Er führe euch auf lichtem Weg und bleibe euch gnädig zugewandt. Amen.

Euer Jochen Teuffel
Pfarrer

