Vöhringen, 12. September 2026
Liebe Mitchristen in der Gemeinde,
Gib uns stärkeren Glauben!“, bitten die Jünger Jesus (Lukas 17,5–6). Mit den Jahren scheint mancher Glaube kleiner zu werden. Kinderglaube trägt nicht mehr, Zweifel wachsen, Schicksalsschläge erschüttern, Gebete bleiben unerhört. Dann wünschen wir uns einen Glauben, der stark genug ist, allem Lebenswidrigem standzuhalten. Doch Jesus antwortet überraschend: Nicht mehr Glauben braucht ihr, sondern Glauben wie ein Senfkorn. Der kleinste vorstellbare Glaube genügt. Denn seine Kraft liegt nicht in seiner Größe, sondern darin, wem er vertraut.
Ein Senfkorn reißt keinen Maulbeerbaum aus und verpflanzt ihn auch nicht ins Meer. Mit diesem Bild spricht Jesus von dem, was für Menschen unmöglich erscheint und Gott dennoch möglich ist. Glaube ist keine seelische Superkraft und kein Mittel, Wunder zu erzwingen. Er lebt aus der Beziehung zu Jesus Christus. Darum fragt Jesus nicht: „Wie groß ist dein Glaube?“, sondern: „Vertraust du mir?“ Wo der Glaube Christus gehört, darf er klein sein. Dann trägt ihn nicht unsere Überzeugungskraft, sondern Gottes Liebe. Deshalb schreibt Paulus: „Und hätte ich allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich nichts.“ (1. Korinther 13,2)
Wer auf Jesus Christus vertraut, entdeckt mit der Zeit: Was unverrückbar erscheint, muss vor Gott nicht das letzte Wort behalten. Nicht jeder Berg verschwindet, nicht jedes Leid wird aufgehoben. Aber Gottes Liebe eröffnet einen Weg hindurch und schenkt Hoffnung, wo wir keine mehr sehen. Darum ist der Senfkornglaube kein Kleinglaube, sondern großes Gottvertrauen. Nicht weil wir so stark glauben, sondern weil Christus treu ist. Wer immer wieder zu ihm zurückkehrt und ihn mit seinem „Du“ anredet, dessen kleiner Glaube wächst im Vertrauen auf den Herrn.
So bete ich: Herr Jesus Christus, oft ist unser Glaube klein, unsicher und voller Fragen. Wir bitten dich: Halte uns fest in deiner Liebe, wenn Zweifel kommen und Wege schwer werden. Zeige Dich uns neu, damit wir zu Dir finden, der Du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Morgen feiern wir wieder regulär um 10 Uhr den Predigtgottesdienst in der Martin-Luther-Kirche mit Segnung eines Kindes. Ich werde über Genesis 2 – die göttliche Erschaffung des Menschen – predigen.
Am Mittwoch, 16. September, findet um 19.30 Uhr das Gemeinsame Abendgebet in der Martin-Luther-Kirche mit der Gruppe „4 Joy“ aus Oberroth statt.
Der dreieinige Gott segne und behüte euch. Er führe euch auf lichtem Weg und bleibe euch gnädig zugewandt. Amen.

Euer Jochen Teuffel
Pfarrer

