Sonntagsbrief an die Gemeinde zum 20. September

Vöhringen, 19. September 2026

Liebe Mitchristen in der Gemeinde,

soll man andere Menschen zum christlichen Glauben bekehren? Die Geschichte von der Bekehrung des Saulus in Apostelgeschichte 9 scheint dies nahezulegen. Jedoch gerade sie zeigt uns das Gegenteil: Saulus war zuvor selbst ein Zwangsbekehrer. Er wollte die Anhänger Jesu gefangen nehmen und sie zum vermeintlich richtigen Glauben zurückbringen. Doch auf dem Weg nach Damaskus wird er jäh aus seiner Bahn geworfen. Das Licht Christi blendet ihn, er erblindet und muss sich wie ein Kind an der Hand führen lassen. Falscher Eifer macht blind. Menschen können andere Menschen nicht bekehren. Niemand kann einem anderen den eigenen Glauben aufzwingen.

Was geschieht also bei Saulus, der zu Paulus wird? Nicht Menschen bekehren ihn, sondern der auferstandene Christus selbst tritt ihm entgegen. Diese Begegnung wird zur entscheidenden Wende seines Lebens. Er sieht nicht nur wieder – er sieht neu. Alles, worauf er bisher vertraut hatte, verliert seinen Wert gegenüber der Erkenntnis Jesu Christi. Bekehrung bedeutet deshalb nicht, von Menschen verändert zu werden, sondern Christus zu gewinnen.

Christen können niemanden bekehren. Wohl aber sind sie Botschafter des Evangeliums, die von ihrer eigenen Begegnung mit Christus erzählen. Jede Bekehrung erwächst aus einer Begegnung, in der Christus selbst einen Menschen anspricht. Unser Auftrag ist es, sprachfähig und offen für Begegnungen zu sein, damit andere sich fragen können, ob ein Leben mit Christus nicht auch für sie verheißungsvoll ist.

So bete ich: Herr Jesus Christus, auferstanden von den Toten siehst Du über meinen Lebenshorizont hinaus. Stell Dich mir entgegen, wo ich uneinsichtig bin und eigene Irrwege gehe. Öffne mir die Augen und mein Herz, damit ich sehe, was Du für mich vorgesehen hast. Zeige mir den Weg, der mich zu Dir führt. Amen.

Morgen feiern wir um 10 Uhr den Abendmahlsgottesdienst in der Martin-Luther-Kirche. Ich werde zu 2.Timotheus 1,7-10 predigen: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Anschließend um 11 Uhr findet wieder der FamilienWegweiser im Gemeindehaus statt – Singen, biblische Geschichte, Beten, Spielen und Basteln. Am Donnerstag, 24. September, lade ich um 10.00 Uhr zum t-Gespräch „Enkel ohne Gott“ ein. Mitunter leiden Menschen daran, wenn ihre Kinder und Enkel sich vom Glauben entfernen. Mit einem Impulsvortrag versuche ich Schritte aufzeigen, wie wir mit dem Glaubensverlust zurechtkommen können.

Der dreieinige Gott segne und behüte euch. Er führe euch auf lichtem Weg und bleibe euch gnädig zugewandt. Amen.

Euer Jochen Teuffel
Pfarrer

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