Vöhringen, 30. Oktober 2026
Liebe Mitchristen in der Gemeinde,
handgeknüpfte Orientteppiche finden auch bei uns besondere Wertschätzung. Weniger bekannt ist, dass Kreuze und andere christliche Symbole ihren eigenen Platz in der orientalischen Teppichkunst haben. Solche Teppiche erzählen von einem Glauben, der sich in vielfältigen Farben und Mustern ausdrückt. Auch unser Glaube lebt nicht für sich allein. Der Apostel Paulus schreibt dazu: „In geschwisterlicher Liebe sind wir einander zugetan, in gegenseitiger Achtung kommen wir einander zuvor. […] In der Hoffnung freuen wir uns, in der Bedrängnis üben wir Geduld, am Gebet halten wir fest“ (Römer 12,10–12).
Unser Glaube gleicht einem Faden, der in einen gemeinsamen Teppich eingeknüpft ist. Manchmal erscheint uns der eigene Glaubensfaden dünn und brüchig. Doch im Glauben anderer findet er Halt und gibt zugleich anderen Halt. Im Gottesdienst, im Gebet füreinander und im Gespräch wird unser Glaube gestärkt. Das Wir des Glaubens bedeutet nicht, dass alle gleich denken oder empfinden müssen. Ein Teppich kennt eben verschiedene Farben und Muster. Er bietet Raum für Nähe und lässt zugleich Abstand zu. Wir tragen einander im Glauben, ohne den anderen zu vereinnahmen.
In der Kirchengemeinde bleiben wir gemeinsam auf dem Teppich. Schließlich hält sich unser Glaube nicht an einem fliegenden Teppich aus 1001 Nacht fest. „Ein anderes Fundament kann niemand legen als das, welches gelegt ist: Jesus Christus“ heißt es beim Apostel Paulus (1 Korinther 3,11). Unser Glaubensteppich mit all seiner Vielfalt ruht auf dem, was Jesus Christus mit seinem Leben, seinem Sterben und seiner Auferstehung für unser Heil gewirkt hat. Und es ist der Heilige Geist, der uns über uns selbst hinaushebt und unserem Glauben Flügel verleiht – damit wir mit unserem Leben in der Gemeinschaft des dreieinen Gottes ankommen.
So bete ich: Herr Gott, unser Vater, Du gibst keinen Menschen auf. Wo wir mit unserer Geduld am Ende sind, fängst Du neu an. Bestärke uns durch deinen Geist, dass wir einander lieben, wie Du uns liebst, und einander vergeben, wie Du uns vergibst. Durch Jesus Christus, Anfänger und Vollender unseres Glaubens. Amen.
Am Samstagabend, 31. Oktober, feiern wir um 18.30 Uhr den Reformationsgottesdienst mit anschließendem Empfang in unserer Martin-Luther-Kirche. Dabei kommen die reformatorischen Schlüsselworte allein aus Gnade, allein aus Glauben, allein die Heilige Schrift und allein Jesus Christus zur Sprache.
Am Sonntag, 1. November, werde ich im Gottesdienst um 10 Uhr zu Römer 7,14-25 predigen: „Das Gute, das ich will, das tue ich nicht …“
Der dreieinige Gott segne und behüte euch. Er führe euch auf lichtem Weg und bleibe euch gnädig zugewandt. Amen.

Euer Jochen Teuffel
Pfarrer

