Cornelia Letting, die aus unserer Vöhringer Gemeinde stammt, berichtete mir anlässlich ihres jüngsten Deutschlandbesuchs vom Leben und Wirken auf der Diguna-Station in Tinderet und in deren Umgebung. Die Station besteht aus drei Bereichen: dem Kinderheim, der Berufsschule sowie dem Bereich für Evangelisation und Stationsführung.
Im Kinderheim arbeiten in den Wohngruppen ausschließlich Mitarbeitende aus Kenia, die mit der Mentalität und den Lebensumständen der Kinder vertraut sind. Aufgenommen werden verwaiste oder vernachlässigte Kinder – unabhängig von ihrer Religion oder Stammeszugehörigkeit. Zugleich wissen alle, dass sie Teil einer christlichen Gemeinschaft sind. Deshalb nehmen sämtliche Kinder an den Gebeten und Gottesdiensten teil. Ihr Alltag ist klar strukturiert; der Schulunterricht dauert bis 16 Uhr.
In der Berufsschule geht es nicht nur um die Vermittlung beruflicher Fähigkeiten. Die Jugendlichen sollen lernen, Jesus und ihren Beruf zu lieben. Im Bereich der Stationsführung sind unter anderem die Verwaltung, Werkstätten, die Teamküche, Gästehäuser und eine Krankenstation untergebracht. Von hier aus werden auch die Evangelisationseinsätze organisiert – von eintägigen Unternehmungen bis hin zu fünfwöchigen Touren in entlegene Gebiete Kenias.

Immer wieder machen sich kleine Teams auf den Weg, um Menschen zu begegnen, die bisher kaum oder keinen Zugang zur christlichen Botschaft hatten und weiterhin von animistischen und traditionellen Vorstellungen geprägt sind. Auch ihnen soll die gute Nachricht von Jesus Christus nahegebracht werden. Bei ersten Begegnungen zeigen sich vor allem Frauen und Kinder neugierig und interessiert. Wenn ältere Männer hinzukommen, öffnen sich häufig auch die Männer der jeweiligen Gemeinschaft für den Kontakt. So stellte beispielsweise ein Dorfältester Land für den Bau einer Kirche zur Verfügung. Daneben wurden ein Brunnen gebohrt und ein Wassertank aufgestellt. Die Mitarbeitenden erzählen von Jesus und versuchen, durch praktische Hilfe die christliche Botschaft glaubwürdig werden zu lassen.
Cornelia Letting beobachtet, wie sich der christliche Glaube auf das Zusammenleben auswirken kann. Wenn Männer und Frauen zum Glauben kommen, verändert sich vieles in den Familien: Männer übernehmen Verantwortung und begegnen ihren Frauen mit Respekt. Auch Stammesfehden, etwa im Zusammenhang mit Viehdiebstählen, münden seltener in Gewalt. Friedliches Verhalten wird zunehmend als richtig anerkannt und kann sich weiter ausbreiten.
Natürlich gibt es im Alltag auch Rückschläge. Religiöse Konflikte hat Cornelia Letting jedoch nicht erlebt. Prägender ist vielmehr das ausgeprägte Stammesdenken. Besonders bei Hochzeiten und Beerdigungen treten traditionelle Vorstellungen wieder stärker hervor.
Auch die christlichen Feste werden in Kenia anders begangen als in Deutschland. Weihnachten wird an zwei Tagen nach einem festgelegten Programm gefeiert. Dabei denkt Cornelia Letting manchmal wehmütig an die vertrauten Traditionen in den deutschen Gottesdiensten und Familien zurück. Ostern ist vielerorts Anlass für große Veranstaltungen; zugleich wird häufig auf den Feldern gearbeitet.
Weitere Informationen unter: https://diguna.de/projekte/station-tinderet-in-kenia/
Aufgezeichnet von Romy Schlachter-Zeh.

