Vöhringen, 31. Januar 2026
Liebe Mitchristen in der Gemeinde,
„Früher war alles besser“ – ein Satz, der schnell über die Lippen kommt. Im Rückblick erscheint die Vergangenheit oft geordneter, sicherer, heil. Doch das mag eine trügerische Verklärung sein. Historische Studien zeigen: Gewalt, Verwahrlosung von Kindern und verdrängte Missbrauchsfälle waren früher keineswegs geringer, sie blieben oft unsichtbar. Schweigen war Normalität. Hinzu kommt: Unser Erinnerungsvermögen spielt uns Streiche. Wir waren jünger, agiler, unbedarfter – und schon deshalb wirkt im Rückblick alles heller. Wer die Vergangenheit solchermaßen verklärt, verliert leicht die Hoffnung für die Zukunft. Denn dieser Blick tut so, als gäbe es ein Zurück. Den gibt es nicht.
Eine andere Verklärung begegnet uns im Evangelium bei Matthäus im Kapitel 17 (Verse 1-9): Jesus steigt mit drei Jüngern auf einen Berg. Kein nostalgischer Rückblick, sondern eine Gipfelsicht nach vorn. Auf dem Berg Tabor wird Jesus vor ihren Augen verklärt – Licht bricht aus ihm selbst hervor, nicht von außen angestrahlt. Mose und Elia stehen bei ihm, Vergangenheit und Verheißung vereint. Die Jünger sind überwältigt: Petrus möchte bleiben, Hütten bauen. Doch dieser Gipfel ist kein bleibendes Paradies. Das Licht lässt sich nicht festhalten. Der Abstieg gehört dazu – für Jesus der Weg ans Kreuz.
Und doch bleibt etwas: Die Jünger haben gesehen, dass Gottes Licht stärker ist als Vergänglichkeit und Tod. Diese Verklärung öffnet unseren Horizont. Der Glaube lebt nicht vom Festhalten am Sichtbaren, sondern von der Ausrichtung auf Gottes Ewigkeit. „In deinem Lichte sehen wir das Licht.“ (Psalm 36,10) Wer so lebt, ist unterwegs – nicht rückwärtsgewandt, sondern hoffnungsvoll nach vorn. Unsere Schritte hier auf Erden sind Schritte auf Gott zu. Amen.
So bete ich: HERR, unser Gott, himmlischer Vater, in das ewige Licht deiner Herrlichkeit hast du deinen Sohn verklärt. Zieh uns hinein in dieses Licht, damit wir dem Trübsinn dieser Tage nicht verfallen, sondern Dir näherkommen. Durch Jesus Christus, Anfänger und Vollender unseres Glaubens. Amen.
Morgen, Sonntag, 2. Februar, feiern wir um 10.00 Uhr den Predigtgottesdienst mit Lektor Markus Schmucker. Er wird über Offenbarung 1,9-18 predigen.
Am Mittwoch, 4. Februar, feiern wir um 15.00 Uhr den SenioGottesdienst im Neubau des IllerSENIO-Pflegeheims im Sperberweg 4 in Vöhringen.
Nochmals zur Erinnerung: Wir suchen für zwei Bezirke in Vöhringen (Kanalstraße bzw. Mittelstraße) Austräger unseres Gemeindebriefs. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich aus unserer Gemeinde dazu Freiwillige fänden.
Der dreieinige Gott segne euch und lenke eure Tage in seinem Frieden. Er führe euch auf lichtem Weg und festige eure Herzen in seiner Liebe. Amen.

Euer Jochen Teuffel
Pfarrer

