Sonntagsbrief an die Gemeinde zum 1. März

Vöhringen, 28. Februar 2026

Liebe Mitchristen in der Gemeinde,

„Lass diesen Kelch an mir vorübergehen“ – so sagen wir, wenn wir Unangenehmes kommen sehen und hoffen, es möge uns erspart bleiben. Der Ursprung dieser Worte liegt im Garten Gethsemane. Im Evangelium nach Matthäus wird erzählt, wie Jesus nach dem letzten Mahl im Garten Gethsemane ringt: „Meine Seele ist betrübt bis an den Tod.“ Auf sein Angesicht gefallen bittet er: „Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber.“ Der Kelch steht für den bevorstehenden Tod in all seiner Dunkelheit. Hier zeigt sich der Gottessohn menschenklein, voller Angst und doch im Gebet festgehalten am Vater.

Während Jesus wacht und betet, schlafen die Jünger. Sie können oder wollen nicht wahrhaben, was sich anbahnt. Auch wir kennen diesen Schlaf – das Verdrängen, das Hoffen, es werde schon wieder gut. Die Erschütterungen unserer Zeit, Kriege und Bedrohungen, reißen uns heraus. Ratlos fragen wir: Worum sollen wir bitten? Um Frieden, um Einsicht, um Bewahrung? Konkrete Lösungen sind kaum vorstellbar. Und doch gilt Jesu Ruf auch uns: „Wachet und betet!“ Nicht Gleichgültigkeit, nicht Zorn, nicht Angst sollen uns bestimmen, sondern die Hinwendung zu Gott – selbst wenn wir unsere Worte nur stammeln.

Zweimal bittet Jesus, dass der Kelch vorübergehe, und zweimal mündet sein Gebet in das Vertrauen: „Nicht wie ich will, sondern wie du willst.“ Darin liegt der Weg: nicht der eigene Wille, sondern Gottes Wille. Durch Leiden und Tod hindurch bleibt Gott treu. In Evangelium nach Lukas heißt es rückblickend: „Musste nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ Gottes Barmherzigkeit ist stärker als das Böse. Wo alles dunkel scheint, bereitet er neues Leben. Darum dürfen wir hoffen: Der Kelch des Leids hat nicht das letzte Wort – Gottes Liebe hat es.

So bete ich: Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind. Trage unsere Sünden uns nicht nach. Wie sollen wir sonst vor Dir bestehen? Weise uns den rechten Weg, dass wir als die Erlösten Dich loben und preisen. Durch Jesus Christus. Amen.

Morgen, Sonntag, 1. März, feiern wir um 10.00 Uhr den Wortgottesdienst in der Martin-Luther-Kirche. Ich werde über Römer 5,1-5 „wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt“ predigen.

Am Freitag, 6. März, wird der Weltgebetstag unter dem Thema „Kommt! Bringt eure Last“ mit Blick auf Nigeria um 18 Uhr in unserem Gemeindehaus in der Beethovenstraße begangen.

Der dreieinige Gott segne euch und lenke eure Tage in seinem Frieden. Er führe euch auf lichtem Weg und festige eure Herzen in seiner Liebe. Amen.

Euer Jochen Teuffel
Pfarrer

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