Vöhringen, 17. Januar 2026
Liebe Mitchristen in der Gemeinde,
eine Hochzeit ist ein besonderer Tag im Leben. In Traugesprächen erlebe ich, wie intensiv Brautleute ihn vorbereiten: Monate, manchmal über ein Jahr lang, mit festen Vorstellungen, wie alles gelingen soll. Es soll der schönste Tag des Lebens werden. Und doch versuche ich, etwas vom Erwartungsdruck zu nehmen. Eine Feier ist kein Schauspiel, das man kontrolliert, kein Drehbuch, das lückenlos aufgehen muss. Wer ständig prüft, ob alles nach Plan läuft, verpasst leicht die Freude. Pannen können ein Geschenk Gottes sein – sie öffnen Raum für Neues. So auch bei der Hochzeit zu Kana (Johannes 2,1-11): Der Wein geht aus. In einer Kultur ohne Einladungslisten, mit offenen Dorfgemeinschaften und tagelangen Festen, ist das eine echte Blamage. Brot lässt sich nachbacken, Tiere nachschlachten – aber Wein nicht nachkeltern. Die Stimmung droht zu kippen.
Maria macht Jesus darauf aufmerksam, doch er weist sie scheinbar schroff zurück: Seine Stunde ist noch nicht gekommen. Jesus lässt sich nicht in den Sog von Erwartungen ziehen, nicht zum Wundertäter im Rampenlicht machen. Und doch handelt er mit Bedacht im Hintergrund. Wasserkrüge, vorgesehen für rituelle Reinigung, werden randvoll gemacht. Beim Einschenken zeigt es sich: Wasser wurde Wein – bester Wein. Kein Show-Akt, keine große Bühne. Nur wenige wissen davon. Ein Zeichen ohne großes Spektakel.
So macht Jesus seine Herrlichkeit sichtbar: nicht im Lauten, sondern im Durchscheinenden. Gott wirkt mitten im Alltag, oft verborgen, aber lebensverwandelnd. Wer gläubig hinschaut, entdeckt Gottes Handeln auch im Kleinen: im Gelingen trotz Bruch, im Überfluss mitten im Mangel. Darum dürfen wir uns freuen – über das, was Gott uns schenkt, Tag für Tag.
So bete ich: HERR Gott, himmlischer Vater, du hast deinen Sohn in die Welt gesandt, damit wir Menschen die Fülle des Lebens finden. Nimm von unseren Seelen lähmende Trübsal und führe uns in den Freudensaal deines Reiches –zum Hochzeitsmahl des Lammes. Durch Jesus Christus, der mit dir lebt und regiert in der Einheit des Heiligen Geistes in alle Ewigkeit. Amen.
Morgen, Sonntag, 18. Dezember, feiern wir um 10.00 Uhr den Predigtgottesdienst in der Martin-Luther-Kirche. Ich werde über Jeremia 14,1-9 predigen.
„Die Bibel als Gottes Wort lesen“ – unter diesem Thema lade ich am Donnerstag, 22. Januar, um 19.30 Uhr zu einem Gesprächsabend in unser Gemeindehaus ein. Anhand von sieben Lesezeichen werde ich vorstellen, wie Gott zu uns heute durch ganz unterschiedliche biblische Texte spricht.
Der dreieinige Gott segne und behüte euch. Er führe euch auf lichtem Weg und bleibe euch gnädig zugewandt. Amen.

Euer Jochen Teuffel
Pfarrer

