Vöhringen, 15. August 2026
Liebe Mitchristen in der Gemeinde,
Gefesselt – kein aufrechter Gang, kein freier Blick, achtzehn Jahre lang. Eine Frau, gefangen in ihrem Körper, wie so viele heute: im Krankenhausbett, im Pflegeheim, im Rollstuhl. Chronisch krank. Zurückgezogen. Festgehalten von Schmerzen, die kaum Bewegungen zulassen. Doch ihre Geschichte endet nicht im Gefängnis der Gebrechlichkeit.
Gesehen – Jesus geht nicht vorüber. Er sieht sie, mit allem, was sie an Leib und Seele gefangen hält. Er ruft sie zu sich, spricht nicht über sie, sondern zu ihr: „Frau…“ – ein Wort, das Würde zurückgibt. Und dann die befreiende Zusage: „Du bist erlöst von deiner Krankheit.“ (Lukas 13,12) Seine Hand löst die Fesseln – jetzt, in diesem Augenblick. Aber sie weist auch voraus: auf den Tag, an dem alle Fesseln fallen werden.
Begrenzt – Wie oft stehe ich als Pfarrer ohnmächtig da. Meine Worte können Krankheit nicht vertreiben, meine Hände nicht heilen. Und doch vermag ich zuzusprechen: „Gott sieht dich. Auch jetzt.“ Manchmal, im Gebet, im Segen, im geteilten Schweigen, spüren wir es: Erlösung ist durch Jesus Christus vorgesehen – ein Aufleuchten der kommenden Herrlichkeit, wenn alle Tränen abgewischt werden.
Hoffnung – Jesus sieht. Damals wie heute. Die Gefesselten, uns alle, wenn wir uns beugen unter Schuld, Angst oder Einsamkeit. Er ruft: „Komm her.“ Und mitunter – unerwartet – erfahren wir: Seine Hand richtet uns auf – hier im Staub der Zeit. Doch sie führt uns weiter: hin zu dem Tag, an dem Erlösung vollendet wird. Wenn der letzte Schmerz weichen muss, wenn der Tod selbst zerbricht – und wir aufstehen dürfen, befreit, für immer.
So bete ich: Barmherziger Gott, Du siehst uns – wenn Krankheit uns beugt und Heilung fern scheint. Du rufst uns zu: „Du bist erlöst“ – ein Wort, das Hoffnung weckt. Lass uns spüren, dass deine Kraft stärker ist als alle Fesseln. Wenn Heilung ausbleibt, halte uns fest im Glauben: Am Jüngsten Tag wirst du uns aufrichten –für immer. Durch Jesus Christus. Amen.
Morgen feiern wir bereits um 9.30 Uhr (Ferienregelung) den Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche. Ich werde über Lukas 18,9–14 „Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.“
Ich bin vom 22. August bis 12. September im Urlaub. Die Vertretung hat Pfarrer Daniel Städtler aus Illertissen.
Der dreieinige Gott segne und behüte euch. Er führe euch auf lichtem Weg und bleibe euch gnädig zugewandt. Amen.

Euer Jochen Teuffel
Pfarrer

